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Gedichte

Vita 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Renate Sattler

Neues aus dem Geschichtenkorb

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55In der Karawanserei von Nikosia

 

Inmitten der Ladenstraße öffnet die Herberge das Tor.

Kein Kamel, kein Esel auf dem Hof.

Nur ein blauer Turban fällt mir in der Menge auf.

In den Ställen aus der Zeit orientalischer Händler

erwarten mich Läden mit Tuniken, Körben aus Weizenstroh.

Ich versuche, mir Kaufmänner vorzustellen, wie sie

Elfenbein und Seide, Kupfer, Gold und Sklaven umschlugen,

bei Kaffee und Wasserpfeife Geschichten erzählten,

Nachrichten tauschten und weiterzogen, wenn die Nacht anbrach.

Doch bleiben sie eine Fatamorgana aus osmanischer Zeit.

 

Ich steige die Seitentreppe hinauf in den Arkadengang,

der sich die Sonne aus dem Himmelsquadrat schneidet.

Eine Verkäuferin trinkt mit der Nachbarin Kaffee

vor ihrer Kammer hängen Pfefferschoten. In Regalen

hält sie Öl, Gewürze, Seife und Balsam bereit.

In der nächsten Kemenate - eine alte Muslima, kaum sichtbar

zwischen Tüchern, Postkarten und Kleidern.

Der Händler nebenan bietet Miniaturteppiche als Lesezeichen,

Fächer aus Olivenholz, Mokkakannen und Ölkaraffen feil.

Gern würde ich verweilen, bis die Sterne über der Herberge funkeln,

wenn nicht der Karawanenführer riefe...

 

Famagusta

 

Im Schatten des Feigenbaums

vor der St. Nikolaos-Kathedrale

höre ich den Muezzin,

fühle mich aus der Zeit geschnitten,

ins Märchen getaucht an dem Ort,

an dem die Könige von Jerusalem

gekrönt wurden,

war ich nicht weit von Palästina

und doch weit genug

von den Klagen verlorener Mütter.

 

 

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